Juerg Schweri, PhD
Ines Trede, Pflegefachfrau und Master of Science in Berufsbildung
Forschungsabteilung, Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung, Zollikofen, Schweiz
Ziele: In dieser Studie werden die Laufbahnentscheide von Fachfrauen / Fachmännern Gesundheit (FaGe) nach Abschluss der beruflichen Grundbildung analysiert. Insbesondere soll der Frage nachgegangen werden, ob sie im Anschluss daran eine Pflegeausbildung auf Tertiärstufe anstreben.
Hintergrund: In Anbetracht des deutlichen Mangels an Fachkräften im Pflegebereich sind die Karriereentscheide der FaGe von zentraler Bedeutung für die Analyse der Anforderungen an die Fachkräfte sowie zukünftiger Entwicklungen im Gesundheitswesen. Der FaGe-Abschluss ist eine neuere dreijährige Ausbildung auf Sekundarstufe II, welche die Zulassung zu einer höheren Ausbildung auf Tertiärstufe ermöglicht. Deshalb sehen sich die Absolventen und Absolventinnen vor die Wahl gestellt, diese Gelegenheit zur weiteren Ausbildung zu ergreifen oder im erlernten Beruf zu verbleiben.
Design: Eine prospektive Querschnittsstudie wurde über eine vollständige Kohorte von FaGe Drittjahreslernenden im Kanton Bern durchgeführt (n=284). Methodik: Multivariate Methoden (logistische Regression) wurden angewendet, um viele verschiedenartige, möglicherweise korrelierte Gründe für einen bestimmten Laufbahnentscheid berücksichtigen zu können. Resultate: 38 Prozent der FaGe Absolventen und Absolventinnen beabsichtigen nach dem Abschluss in ihrem erlernten Beruf zu verbleiben, während 37 Prozent vorhaben, eine Pfegeausbildung auf Tertiärstufe anzugehen. Der Rest entscheidet sich für andere Lösungen, meist eine Ausbildung in einem anderen Gesundheitsberuf. Die multivariaten Resultate indizieren die Bedeutung des Persönlichkeitsprofils, der Erfahrungen am Ausbildungsplatz (Stress, Befriedigung in der Arbeit, Identifikation mit dem Beruf, Selbstwirksamkeitserwartung) sowie extrinsischer Einflussfaktoren (Zeitwahl) für den Laufbahnentscheid.
Schlussfolgerung: Die Bildungspolitik im Gesundheitssektor beeinflusst die individuelle Bereitschaft zum Beginn einer Pflegeausbildung auf Tertiärstufe indem sie sowohl die Qualität der pflegerischen Grundbildung an den Lernorten bestimmt als auch die Karriereperspektiven der Fachfrauen und Fachmänner Gesundheit gestaltet.
pdf zur Publikation (englisch)